Seit neun Jahren ist Tischlermeister Rainer Neumann Teil des Netzwerks Großbeerenstraße. Im Interview verrät er, was die Mitgliedschaft für ihn so wertvoll macht und was er sich für die Zukunft wünscht.
Rainer, du bist seit 2017 im Netzwerk Großbeerenstraße. Wie hast du vom Netzwerk erfahren und warum bist du Mitglied geworden?
Ich hatte einen privaten Auftrag für einen TeachCom-Mitarbeiter erledigt. Dabei hat er mir erzählt, worum es im Netzwerk geht. Dann bin ich zu einem Treffen gegangen und habe erste Kontakte geknüpft. Das Netzwerk bedeutet für mich vor allem, sympathische Menschen zu treffen. Über die Jahre lernt man sich immer besser kennen. Solche Theaterbesuche wie bei „Biedermann und die Brandstifter“, das sind dann Highlights. Oder wenn man durch die Betriebsführungen bei Netzwerkmitgliedern hinter die Kulissen schauen kann.
Was bringt es dir ganz konkret im Unternehmensalltag?
Das Menschliche und Ideelle stehen für mich beim Netzwerk im Vordergrund. Das Engagement gegen Menschenfeindlichkeit, Betriebe zu vernetzen und Demokratie erfahrbar zu machen. Und auch, dass Schulen, junge Menschen und Betriebe zusammengeführt werden, finde ich ganz wichtig. Ich bekomme regelmäßig Praktikanten von der Johanna-Eck-Schule, mit denen ich immer super Erfahrungen gemacht habe. Zeugnisse spiegeln eben oft nicht wider, was wirklich in Jugendlichen steckt.
Warum ist dir das politische Engagement so wichtig?
Man lebt oft ein Stück weit in einer Blase. Im Freundes- und Kundenkreis habe ich es mit vernünftigen, tollen Leuten zu tun. Aber ich nehme natürlich wahr, dass es auch andere, radikalere Meinungen in der Gesellschaft gibt. Dabei sieht man ja, wie gefährlich die Unterdrückung von Andersdenkenden in diesen autokratisch regierten Ländern ist. Und diese angeblich einfachen Lösungen, die die AfD anbietet, sind falsch, menschenfeindlich und gefährden die Demokratie.
Gab es einen Moment oder ein Projekt im Netzwerk, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Zur Corona-Zeit wurde ich gefragt, ob ich mit Jugendlichen eine Lüftungsanlage für einen Konferenzraum bauen könnte. Die Jugendlichen galten wohl als schwierig, aber ich habe die ganz anders erlebt. Das Projekt hat fünf Tage gedauert, die sind alle jeden Tag pünktlich gekommen und waren mit Begeisterung dabei.
Oder ich habe mit sechs, sieben jungen Männern aus Afghanistan und Syrien Rollwagen für technische Geräte gebaut. Auch dieses Projekt kam über TeachCom zustande. Die waren super. Ich hatte das alles vorbereitet, und dann hat einer gebohrt, der Nächste geschliffen, ein anderer festgehalten und einer zusammengebaut. Ich bin hier nur rumgerannt und habe gesehen, wie da etwas gewachsen ist.
Und dann hat während der Flüchtlingskrise anderthalb Jahre ein syrischer Tischler bei mir gearbeitet, erst als Praktikant und dann in Festanstellung. Das war auch so eine richtige Integrations-Erfolgsgeschichte.
Welche Angebote würdest du dir vom Netzwerk noch wünschen?
Es wäre hilfreich für mich, wenn das Netzwerk mich praktisch dabei unterstützt, eine Förderung für Auszubildende zu bekommen. Wenn es sich politisch dafür einsetzt, dass es diese Förderungen weiterhin gibt. Ich habe früher schon mal eine Förderung bekommen für einen Auszubildenden mit psychischen Problemen, den wir stabilisieren konnten und der seine Ausbildung abgeschlossen hat. Das war richtig gut angelegtes Geld vom Staat. Ohne diese Förderung ist es für mich als kleiner Handwerksbetrieb einfach zu teuer.