Weiter geht's mit den ARRIVO-Erfolgsgeschichten: Diesmal erzählt Fatoumatta, wie sie das Projekt wahrgenommen hat und wie es ihr geholfen hat, einen Ausbildungsplatz zu finden.
Fatoumatta, du bist 2017 nach Deutschland gekommen. Wie ging dein Weg damals los?
Ich bin 2017 aus Gambia nach Deutschland gekommen, mein Vater hat hier schon eine ganze Weile gelebt. Am Anfang war alles neu für mich und ich musste zuerst die Sprache lernen. Ich habe an der Volkshochschule Deutschkurse von A1 bis B2 gemacht. Die erste B2-Prüfung habe ich leider nicht bestanden. Unsere Lehrerin Agnes Szabó hat uns dann geholfen, einen neuen Platz für den Sprachkurs zu finden – so bin ich zu ARRIVO gekommen.
Wie ging es dann weiter?
Zuerst habe ich den Deutschkurs über ARRIVO gemacht. Einige Monate nach der B2-Prüfung bekam ich dann eine E-Mail von Daniela aus dem ARRIVO-Team. Sie hat uns zu einem kaufmännischen Vorbereitungsprogramm eingeladen. Ich war damals auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und habe sofort zugesagt.
Was habt ihr in dem Programm gemacht?
Wir waren eine Gruppe von Teilnehmer*innen aus dem Sprachkurs. Im Programm haben wir zuerst Grundlagen zu kaufmännischen Berufen gelernt – also typische Aufgaben im Büro, Organisation und Abläufe im Arbeitsalltag. Danach haben wir Praktika in verschiedenen Unternehmen gemacht, um herauszufinden, welcher Bereich zu uns passt.
Wie bist du schließlich zu deiner Ausbildung gekommen?
Durch die Praktika. Ich war in mehreren Unternehmen und bei Sicherheit Nord hat es sofort gut gepasst. Dort habe ich meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement begonnen. Nach dem Praktikum haben sie mich direkt übernommen. Heute bin ich dort fest angestellt.
Warum war der persönliche Kontakt für dich so wichtig?
Ich hatte vorher viele Online-Bewerbungen geschrieben, aber nie eine Antwort bekommen. Obwohl ich motiviert war und schon Berufserfahrung aus Gambia hatte, war es schwer, überhaupt eine Chance zu bekommen. Durch ARRIVO konnte ich Unternehmen persönlich kennenlernen. Ohne diese Unterstützung hätte ich meinen Ausbildungsplatz wahrscheinlich nicht gefunden.
Du hattest schon vor Deutschland Erfahrung im Bürobereich, oder?
Ja, in Gambia habe ich schon im Büro gearbeitet und auch ein Accounting-Studium angefangen. Büroarbeit hat mir immer Spaß gemacht. Ich arbeite gerne organisiert, schreibe E-Mails, erledige Aufgaben am Computer und habe Kontakt mit Menschen. Deshalb war für mich schnell klar, dass ich in Deutschland auch in diesem Bereich arbeiten möchte.
Worauf bist du heute besonders stolz?
Wenn ich daran denke, wie ich damals nach Deutschland gekommen bin und wo ich heute stehe, sehe ich einen riesigen Unterschied. Früher konnte ich kaum Deutsch sprechen. Heute arbeite ich im Büro, schreibe E-Mails, telefoniere mit Kund*innen und habe meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Darauf bin ich wirklich stolz.
Wie hast du ARRIVO persönlich erlebt?
ARRIVO war für mich mehr als nur ein Projekt zur Berufsorientierung. Es war eine sehr offene und angenehme Umgebung. Man konnte seine eigene Meinung sagen und Ideen austauschen, ohne Angst zu haben, verurteilt zu werden. Niemand hat gelacht oder jemanden schlecht behandelt, wenn das Deutsch noch nicht perfekt war. Ich hatte immer das Gefühl, dass jede Person ernst genommen wird. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Außerdem ging es nicht nur um Ausbildung und Arbeit – wir haben auch gemeinsame Aktivitäten gemacht, zum Beispiel Bowling oder Treffen mit anderen Teilnehmenden. Dadurch habe ich mich wirklich unterstützt und willkommen gefühlt.
Was möchtest du anderen Menschen mitgeben, die neu nach Deutschland kommen?
Es ist wichtig, ein Ziel zu haben und Schritt für Schritt darauf hinzuarbeiten. Der Weg ist nicht einfach und man braucht viel Geduld und Motivation. Aber wenn man weiß, was man erreichen möchte, und Unterstützung bekommt, kann man es schaffen.
Und was möchtest du Arbeitgebern sagen?
Viele Unternehmen sagen, dass sie Fachkräfte suchen. Deshalb sollten sie Menschen, die motiviert sind, mehr Chancen geben. Der persönliche Kontakt und Praktika helfen sehr. So können beide Seiten sehen, was möglich ist. ARRIVO hat mir genau diese Chance gegeben – dafür bin ich bis heute dankbar.
Foto: privat