Aya hat 2017 am Netzwerk-Projekt ARRIVO teilgenommen. Im Interview erzählt sie, welche Unterstützung sie dadurch bekommen hat und was sie anderen Geflüchteten rät.
Aya (Name geändert), ARRIVO war 2017 ein Projekt, das Geflüchteten den Einstieg in Ausbildung und Beschäftigung erleichtern sollte. Wie bist du darauf aufmerksam geworden?
Ich bin 2016 aus dem Irak nach Deutschland geflohen mit meinen beiden Tanten und meiner kleinen Cousine, sie war damals ein Jahr alt. Erstmal sind wir in ein Flüchtlingsheim in der Nähe von Eisenach in Thüringen gelandet. Meine Mutter und meine beiden Brüder waren schon früher nach Deutschland gekommen. Sie haben in Berlin gelebt und ich wollte natürlich zu ihnen ziehen. Sie hatten Kontakt zu Wolfgang S. (Ehrenamtlicher aus dem ARRIVO-Projekt) und der hat dann auch mir geholfen.
Inwiefern?
Er hat mir eine Ausbildungsstelle zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten in der easyApotheke Mariendorf (Netzwerkmitglied) vermittelt. Erst als ich den Vertrag hatte, durfte ich dann auch nach Berlin umziehen. Und die ARRIVO-Mitarbeiter haben mir bei der Bürokratie geholfen, mit dem Jobcenter zu kommunizieren und Unterlagen einzureichen. Während meiner Ausbildung hat auch meine Chefin mich unterstützt.
Deine Ausbildung hast du 2020 abgeschlossen. Was hast du danach gemacht?
Nach der Ausbildung dachte ich mir, ich muss noch besser im Deutschen werden und habe einen C1-Kurs besucht. Als ich den bestanden hatte, konnte ich ein Studienkolleg in Halle besuchen. Mit dem Abschluss durfte ich dann hier auch studieren, denn vorher wurde mein irakisches Abitur nicht als gleichwertig anerkannt. Ich habe meinen Bachelor in Medizintechnik abgeschlossen – damals hat mir ARRIVO übrigens dabei geholfen, einen Praktikumsplatz an der Charité zu bekommen.
Also war das Projekt auch nach dem Ende der eigentlichen Projektlaufzeit für dich da?
Ja, genau. Wir hatten später auch einmal Schwierigkeiten mit unserem Vermieter, da hat uns ARRIVO einen Anwalt (Netzwerkmitglied) vermittelt.
Du hast einen wirklich beeindruckenden Lebensweg hinter dir. Welche Pläne hast du für die nächsten Jahre?
Ich suche gerade einen Job in der Medizintechnik. Vielleicht mache ich aber doch noch einen Master in Medizinphysik oder Biomedizintechnik.
Worauf bist du besonders stolz?
Ich bin stolz auf alles, was ich bisher geschafft habe. Dass ich mich immer weiterentwickelt habe. Dass ich auch so tolle Leute kennengelernt habe, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Mit den meisten habe ich heute noch Kontakt. Dafür bin ich wirklich dankbar.
Was möchtest du anderen Menschen sagen, die neu in Deutschland sind und Arbeit suchen?
Ich hoffe, dass sie die richtige Hilfe finden. Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man sich helfen lassen kann. Aber nicht alle kennen diese Angebote. Deshalb engagiere ich mich heute auch als Mentorin im Projekt „Mentoring in KMU-Netzwerken“, um meine Kenntnisse an andere weiterzugeben.
Hier gibt es Informationen zum aktuellen ARRIVO-Projekt.